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Zeichen 6 von 12

Sternzeichen Jungfrau – Datum, Symbol und Bedeutung des Zeichens

Das Sternzeichen Jungfrau – lateinisch Virgo – gilt vom 24. August bis zum 23. September – 31 Tage, in denen die Sonne den 6. Abschnitt der Ekliptik durchläuft.

Zeitraum
24.8. – 23.9.
Symbol
Element
Erde
Qualität
beweglich
Herrscher
Merkur
Dauer
31 Tage
Grenztage
22. August und 23. August
Weizenähre auf einem Messlineal: die Ähre ist das alte Attribut dieses Zeichens. (mit AI erstelltes Bild) AI
Abb. 1Weizenähre auf einem Messlineal: die Ähre ist das alte Attribut dieses Zeichens.Mit AI erstelltes Bild

Der Zeitraum und das Ende des Sommers

Die Jungfrau ist das sechste der zwölf Zeichen und gilt nach der gebräuchlichen Tabelle vom 24. August bis zum 23. September, also einunddreißig Tage. Sie schließt den Sommer ab: ihr letzter Tag grenzt an die Herbst-Tagundnachtgleiche, mit der die Waage beginnt.

In diesen einunddreißig Tagen fällt die Sonne von etwa zwölf Grad nördlicher Deklination auf null. Für Mitteleuropa bedeutet das einen Verlust von genau zwei Stunden Tageslicht – in Berlin von 14 Stunden 19 Minuten auf 12 Stunden 19 Minuten, der stärkste Rückgang innerhalb eines einzelnen Zeichens im ganzen Jahr. Der Grund ist derselbe wie beim größten Zugewinn im Widder: die Änderungsrate ist an der Tagundnachtgleiche am größten, und die Jungfrau läuft direkt auf sie zu.

Am Ende ihres Zeitraums steht die Sonne senkrecht über dem Äquator, und in dem Moment beginnt der astronomische Herbst. Die Jungfrau ist damit das Zeichen, in dem der Sommer messbar zu Ende geht – nicht am Kalenderdatum, sondern an der Kurve.

Das größte Sternbild des Tierkreises

Die Jungfrau ist das flächengrößte der zwölf Tierkreissternbilder und nach der Wasserschlange das zweitgrößte des ganzen Himmels. Die Sonne braucht entsprechend lange, um es zu durchlaufen: etwa von Mitte September bis Ende Oktober, also mehr als sechs Wochen und deutlich länger als die dreißig Tage, die das Zeichen umfasst.

Ihr hellster Stern ist Spica, ein bläulich-weißer Stern erster Größe. Der lateinische Name bedeutet „Kornähre", und genau als Ähre hält die Figur ihn in der Hand – ein Detail, das in nahezu jeder Darstellung von der Antike bis in die Neuzeit erhalten geblieben ist. Der arabische Name des Sterns, Azimech, geht auf dieselbe Vorstellung zurück.

Die Verbindung ist nicht dekorativ, sondern kalendarisch. Der Frühaufgang der Spica in der Morgendämmerung fiel in den Regionen, in denen das Sternbild benannt wurde, mit der Getreideernte zusammen. Eine Jungfrau mit einer Ähre ist damit kein beliebiges Bild, sondern ein Erntezeichen – die Figur bezeichnet, was in dieser Jahreszeit zu tun war.

Wie Regulus im Löwen liegt Spica dicht an der Ekliptik und kann vom Mond bedeckt werden. Und in Richtung des Sternbildes liegt der Virgo-Galaxienhaufen, die nächstgelegene große Galaxienansammlung, zu deren Randgebiet auch unsere eigene Galaxiengruppe gehört – mit dem bloßen Auge nicht zu sehen, aber der Grund, warum diese Himmelsgegend in der Astronomie eine große Rolle spielt.

Woher der Name kommt

In der babylonischen Sternliste erscheint die Figur als AB.SIN, was als „Ackerfurche" gelesen wird – wieder das Erntemotiv, noch ohne menschliche Gestalt. Erst in der griechischen Überlieferung wird daraus eine Frau: Parthénos, die Jungfrau, bei den Römern Virgo.

Wer damit gemeint ist, war schon in der Antike nicht einheitlich. Genannt werden Demeter, die Göttin des Getreides, deren Attribut die Ähre ist; Persephone, ihre Tochter, deren Aufenthalt in der Unterwelt den Jahreslauf erklärt; und Astraia, die Göttin der Gerechtigkeit, die sich von der Erde zurückzog und an den Himmel ging. Die letzte Zuordnung erklärt die Nachbarschaft zur Waage: Astraia mit der Waage in der Hand, unmittelbar vor dem Sternbild, das die Waage ist.

Diese Uneinheitlichkeit ist typisch für die Figuren, die keine Tiere sind. Beim Stier oder beim Skorpion ist über Jahrtausende dasselbe Bild überliefert; bei der Jungfrau und bei der Waage wechseln die Deutungen, weil abstraktere Vorstellungen leichter neu besetzt werden.

Das Symbol

Das Zeichen der Jungfrau besteht aus drei Bögen, von denen der letzte in eine geschlossene Schleife übergeht.

Es ist damit fast identisch mit dem Zeichen des Skorpions, das dieselben Bögen hat, aber statt der Schleife einen nach außen weisenden Pfeil trägt – den Stachel. In mittelalterlichen Handschriften sind die beiden bis zur Verwechselbarkeit ähnlich und mehrfach vertauscht; die heutige eindeutige Unterscheidung setzte sich erst durch, als Symbole in Metall geschnitten und damit fixiert wurden. Wer die beiden Zeichen nebeneinanderlegt, sieht den ganzen Unterschied in einem einzigen Strich.

Für die drei Bögen selbst gibt es keine gesicherte Deutung. Vorgeschlagen wurden eine Ligatur der griechischen Anfangsbuchstaben von Parthénos und eine schematische Ähre; beide Lesarten sind plausibel und keine ist belegt.

Element und Qualität

Die Jungfrau trägt in der überlieferten Einteilung das Element Erde und die Qualität veränderlich. Beide Begriffe gehören zur astrologischen Systematik und ordnen die Zeichen zueinander.

Die Erdgruppe bilden Stier, Jungfrau und Steinbock. Veränderlich sind die vier Zeichen, die eine Jahreszeit abschließen: Zwillinge, Jungfrau, Schütze, Fische – also genau die vier, die an einer Tagundnachtgleiche oder Sonnenwende enden. Die Jungfrau schließt den Sommer ab und endet mit der Herbst-Tagundnachtgleiche.

Als herrschender Planet gilt Merkur, der in dieser Systematik auch die Zwillinge trägt. Dass derselbe Planet ein Luftzeichen am Ende des Frühlings und ein Erdzeichen am Ende des Sommers regiert, ist eine Folge der Arithmetik – sieben Wandelsterne auf zwölf Zeichen – und keine inhaltliche Aussage.

Was die Überlieferung der Jungfrau zuschreibt

Die Jungfrau trägt in der Tradition Merkur als Herrscher, geteilt mit den Zwillingen, dazu Erde und die Qualität beweglich. Ihr Hauptstern heißt Spica, die Kornähre, und dieselbe Ähre hält die Figur in fast allen alten Darstellungen – die Überlieferung verbindet das Zeichen deshalb mit der Ernte, also mit der Jahreszeit, in die es fällt.

Bemerkenswert ist an der Jungfrau etwas anderes: sie ist mit Abstand das größte Sternbild des Tierkreises und das zweitgrößte des ganzen Himmels, während ihr Zeichen wie alle anderen genau dreißig Grad breit ist. An diesem Paar sieht man den Unterschied zwischen den beiden Begriffen so deutlich wie nirgends sonst.

Warum die Sonne sechs Wochen für das Sternbild braucht

Die Jungfrau ist der beste Ort, um sich klarzumachen, was die Zwölfteilung eigentlich leistet. Das Zeichen umfasst dreißig Grad, und die Sonne braucht dafür einunddreißig Tage. Das Sternbild dagegen ist flächengroß und in der Länge entlang der Ekliptik ausgedehnt – die Sonne durchläuft es in mehr als sechs Wochen.

Das ist der längste Durchgang durch ein Tierkreissternbild. Am anderen Ende steht der Skorpion mit etwa einer Woche, weil ihm in der Antike die Scheren zur Waage abgetrennt wurden. Zwischen den beiden liegt ein Faktor von etwa sechs.

Ein Kalender kann mit solchen Abschnitten nicht arbeiten. Genau deshalb wurden die Zeichen nie an die Sternbilder gebunden, sondern als gleich große Abschnitte definiert: dreißig Grad, gezählt vom Frühlingspunkt. Die Sternbilder gaben nur die Namen her. Wer die Zeichen durch die Sternbildgrenzen ersetzen will – das ist die Grundlage der Rede vom „dreizehnten Sternzeichen" –, tauscht ein gleichmäßiges Zeitmaß gegen krumme, im 20. Jahrhundert festgelegte Grenzen und Abschnittslängen von einer Woche bis sechs Wochen.

Spica und die Entdeckung der Präzession

Die Verschiebung des Frühlingspunkts, die auf diesen Seiten immer wieder auftaucht, wurde an einem Stern dieses Sternbildes entdeckt.

Hipparchos von Nicäa verglich im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeit seine eigenen Messungen der Position von Spica mit älteren Angaben, die etwa hundertfünfzig Jahre zurücklagen. Er stellte fest, dass der Abstand des Sterns von der Tagundnachtgleiche sich verändert hatte – um etwa zwei Grad. Aus dieser Differenz schloss er, dass nicht der Stern gewandert war, sondern der Bezugspunkt: die Tagundnachtgleiche selbst verschiebt sich langsam gegen den Sternhintergrund.

Das ist eine der bemerkenswertesten Schlussfolgerungen der antiken Wissenschaft, weil sie aus einer kleinen Differenz zwischen zwei Messreihen eine Eigenschaft der Erde ableitet, die man nicht sehen kann. Der Wert, den Hipparchos angab – etwa ein Grad in hundert Jahren – ist zu klein; heute misst man ein Grad in etwa zweiundsiebzig Jahren. Die Richtung und das Prinzip waren richtig.

Dass gerade Spica der Prüfstein war, hat einen praktischen Grund: der Stern liegt sehr dicht an der Ekliptik und ist hell. Beides macht seine Position leichter und genauer messbar als die der meisten anderen Sterne – dieselbe Eigenschaft, die ihn auch für Mondbedeckungen zugänglich macht.

Wann die Jungfrau zu sehen ist

Wie bei allen zwölf Zeichen ist das Sternbild genau dann nicht zu sehen, wenn die Sonne im gleichnamigen Zeichen steht: es geht mit ihr auf und unter. Die Jungfrau ist deshalb kein Sommer-, sondern ein Frühjahrssternbild – von Mitteleuropa aus steht sie an Abenden von März bis Juni im Süden.

Zu finden ist sie über Spica, und dafür gibt es eine klassische Methode. Verlängert man den Bogen des Großen Wagens über seinen Griff hinaus, trifft man zunächst auf Arktur im Bärenhüter und, wenn man den Bogen weiterführt, auf Spica. Im englischen Sprachraum heißt die Merkregel „arc to Arcturus, speed on to Spica"; auf Deutsch hilft, sich den Frühlingsbogen als eine Linie zu denken, die vom Wagen über zwei helle Sterne nach Süden läuft.

Spica bildet zusammen mit Arktur und Regulus im Löwen das Frühlingsdreieck, eines der drei großen Orientierungsdreiecke des Jahres – neben dem Sommerdreieck und dem Wintersechseck. Es ist die einfachste Möglichkeit, sich im Frühjahrshimmel zurechtzufinden, und Spica ist darin die südlichste und tiefststehende Ecke.

Die Verteilung über 96 Jahre

Wie sich der Übertritt auf die Kalendertage verteilt, lässt sich für den Zeitraum 1940 bis 2035 auszählen. Die Werte für dieses Zeichen: 22. August: 16, 23. August: 77, 24. August: 3. Der 23. August ist damit über den ganzen Zeitraum der häufigste Fall, und die Verteilung ist im 20. und im 21. Jahrhundert im Wesentlichen dieselbe. In einem Jahr liegt der Übertritt näher als eine Viertelstunde an Mitternacht – 1988. Für dieses Jahr wird hier kein Kalendertag behauptet: die Rechnung ist auf etwa drei Minuten genau, und die Zuordnung läge damit innerhalb ihrer eigenen Unsicherheit.

Wie die Grenze wandert

Die Tabelle nennt den 24. August als ersten Tag der Jungfrau. Gemessen fällt der Übertritt in den Jahren 1940 bis 2035 auf den 22., 23. oder 24. August.

Die Jungfrau gehört damit zu den Zeichen mit der breiteren Streuung: drei mögliche Kalendertage. Wie beim Stier liegt der Grund darin, dass der langjährige Mittelwert des Übertritts nahe an einem Tageswechsel liegt, sodass die sechsstündige Jahresverschiebung ihn regelmäßig darüber hinwegschiebt. Bei Löwe oder Widder, deren Mittelwerte weiter von Mitternacht entfernt liegen, bleiben nur zwei Tage übrig.

Praktisch heißt das: der 22. und der 23. August sind Grenztage. An ihnen führt die Tabelle noch den Löwen, während die Sonne in einem Teil der Jahrgänge bereits in der Jungfrau steht. Vom 24. August bis zum 23. September besteht keine Unsicherheit. Für die beiden Grenztage nennt die Seite zum Monat August den Zeitpunkt mit Datum und Uhrzeit für jedes Jahr.

Abb. 2 Jungfrau im Jahreslauf. Jeder Sektor ist so breit, wie das Zeichen Tage hat – Jungfrau belegt 31 der 365 Tage.
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Jungfrau, 24.8.–23.9. Grenztage: 22. und 23. August
Abb. 3 Auf welchen Kalendertag der Übertritt in Jungfrau fällt, ausgezählt über die Jahre 1940 bis 2035.
22. August 16 von 96
23. August 77 von 96
24. August (Tabelle) 3 von 96

Der Tabellentag ist einer der möglichen Übertrittstage; die Konvention markiert damit die spätere Grenze.

Wann das Zeichen wirklich beginnt

Die Tabelle setzt den Beginn auf den 24. August. Der gemessene Übertritt der Sonne fällt zwischen 1940 und 2035 auf den 22., 23., 24. August – das Tabellendatum ist dabei der spätestmögliche Tag.

Damit sind der 22. und der 23. August Grenztage: an ihnen steht die Sonne in manchen Geburtsjahren schon im Zeichen Jungfrau, während die Tabelle noch Löwe nennt. Welcher Jahrgang auf welcher Seite liegt, steht mit Datum und Uhrzeit auf der Seite Sternzeichen im August.

Die Zeitpunkte auf dieser Seite sind mit PyEphem 4.2.1 (libastro) aus der scheinbaren geozentrischen Länge der Sonne berechnet, bezogen auf das Äquinoktium des Datums, und in Europe/Berlin (CET/CEST) angegeben. Die Angabe ist auf etwa 3 Minuten genau; wo ein Übertritt näher als eine Viertelstunde an Mitternacht liegt, wird der Kalendertag nicht behauptet.

Nachbarzeichen

Vor dem Zeichen liegt Löwe (23. Juli – 23. August), danach folgt Waage (24. September – 23. Oktober). Alle zwölf Zeiträume stehen in der Sternzeichen-Tabelle.

Häufige Fragen

Fragen zum Zeichen Jungfrau

Welche Daten gelten für das Sternzeichen Jungfrau?

Nach der gebräuchlichen Tabelle vom 24. August bis zum 23. September, also 31 Tage. Der Übertritt der Sonne in das Zeichen fällt in den Jahren 1940 bis 2035 auf den 22., 23., 24. August.

Ist der 24. August noch Löwe oder schon Jungfrau?

Nach der Tabelle Jungfrau, und der Sonnenstand widerspricht dem nicht: der Übertritt erfolgt an diesem Tag oder bereits davor. Umgekehrt sind der 22. und 23. August die Tage, an denen die Tabelle noch Löwe sagt, die Sonne aber in manchen Jahren schon im Zeichen Jungfrau steht.

Welches Element hat Jungfrau?

Erde. Die vier Elemente verteilen sich reihum über den Tierkreis, sodass jedes dritte Zeichen dasselbe trägt: neben Jungfrau sind das Stier und Steinbock.

Warum gilt Merkur als herrschender Planet des Zeichens Jungfrau?

Die Zuordnung stammt aus der überlieferten Astrologie und ist keine astronomische Aussage: Jungfrau – lateinisch Virgo, das 6. der zwölf Zeichen – wurde Merkur zugeordnet, dem sonnennächsten Planeten, der nie weit von ihr absteht. Am Sonnenlauf, aus dem die Daten auf dieser Seite stammen, ändert das nichts.